KOMPETENTE UND INDIVIDUELLE FÖRDERUNG ALS VORAUSSETZUNG FÜR EIN SELBSTÄNDIGES LEBEN

Wir bieten an:
- kompetenzorientierten Unterricht
- schuleigenes Curriculum
- umfangreiche Berufsvorbereitung
- lebenspraktische Förderung von Sozialkompetenzen durch vielfältige Projekte, Arbeitsgemeinschaften und Fördergruppen
- den Erwerb des Hauptschulabschlusses in Kooperation mit den regionalen Berufsschulen


Wir sind eine Förderschule des Landkreises Gießen mit Förderschwerpunkten in den Bereichen:

- Lernen
(Abschlüsse: berufsorientierter Abschluss oder Abgangszeugnis)

Schüler mit dem Förderschwerpunkt "Lernen" haben eine erhebliche oder lang andauernde Lernbeeinträchtigung, die nicht ausreichend mit den Mitteln, Methoden und Möglichkeiten einer allgemeinen Schule gefördert werden können.
Häufig kommt es bei den Schülern neben einer Lernbeeinträchtigung zu einer Verhaltensproblematik. Meist beeinflussen mehrere negative Faktoren die Lern- und Verhaltenssituationen der Schüler.

Feste Rituale geben dem Unterricht, insbesondere in der Grundstufe, einen verbindlichen Rahmen. Neben dem Morgenkreis, in dem sich unter anderem begrüßt wird, Klassendienste festgelegt werden und wichtige Tagesabläufe besprochen werden, ist das gemeinsame Frühstücken sowie das gemeinsame Verabschieden am Unterrichtsende eine feste Größe.

Ab der Mittelstufe werden der Mathematik- und Deutschunterricht teilweise klassenübergreifend unterrichtet, das heißt Schülergruppen mit vergleichbaren Lernständen werden in diesen Fächern zusammengestellt.

In allen drei Schulstufen werden bei Bedarf zusätzlich Förderkurse in Kleingruppen oder auch Einzelförderungen angeboten. Dies können Förderungen im Bereich der Sprache, der Mathematik und im Bereich des Lesens und der Rechtschreibung sein.

Die Klassenzusammensetzungen richten sich insbesondere nach den Schulbesuchsjahren der Schüler, den Entwicklungsständen der Kinder und Jugendlichen und den jeweiligen Persönlichkeitsmerkmalen.


- emotionale und soziale Entwicklung
(Abschlüsse: berufsorientierter Abschluss oder Abgangszeugnis)

Verhaltensauffälligkeiten werden zumeist als nach außen gerichtete Störungen wahrgenommen: Die Schülerin, der Schüler „stört“ den Unterricht.
Störungen sind oftmals als verdeckte Hilferufe zu werten. Sie können sich in fehlendem Selbstvertrauen, in Ängsten, Kontaktproblemen, in Regel verletzendem, meist aggressiven Verhalten, in Wahrnehmungs- und Entwicklungsstörungen, Verwahrlosung, Kriminalität, Drogenproblemen, Lern -und Leistungsverweigerung, Regression, bis hin zu Suizidgefahr äußern.
Viele Kinder und Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt "emotionale und soziale Entwicklung" haben das Vertrauen zu den Erwachsenen, und in der Folge in sich selbst verloren. Durch ihr Verhalten erzeugte Misserfolge führen zu Ablehnung und Zurückweisung.

Fähigkeiten, wie Motivation, Kreativität, Neugierde, Konzentration, Merkfähigkeit, und Ausdauer sind für sie ohne Hilfe schwer zu entwickeln und eine produktive Auseinandersetzung mit schulischen Anforderungen wird fast unmöglich. Gestörte Beziehungen zu sich selbst und anderen erschweren die schulische und persönliche Weiterentwicklung.
Die Ursachen von abweichendem Verhalten liegen nicht allein bei dem „störenden“ Schüler, sondern sind immer in seinem Umfeld (System) zu betrachten und zu erklären.

Mit der Erkenntnis der Zusammenhänge von psychosozialen Störungen wird es möglich, sich von der individuellen Schuldzuweisung zu lösen. Alleinige Schuldzuweisungen wie: Die Schule, der Lehrer, der Jugendliche, das Kind die Familie oder das soziale Umfeld haben versagt, führen gewöhnlich zu keinem konstruktiven Lösungsansatz. Wichtig ist, dass in kooperativer Beratung mit allen Beteiligten eine gleichberechtigte gemeinsame Beratungsebene entstehen kann.

Fragen wie: Was können wir tun, wie können wir unterstützen und wen dabei zu Rate ziehen; mit welchen „Helfern“ kann ein Netzwerk von Unterstützungsangeboten geknüpft werden, sind in der Kooperation mit allen am Erziehungsprozess Beteiligten zu klären.

Die Arbeit der Gallus Schule mit Schülern mit den Förderschwerpunkt "emotionale und soziale Entwicklung" erfordert somit eine systemische Sichtweise bei der Verknüpfung von Zielen und strukturierten Maßnahmen. Diese müssen flexibel sein und regelmäßig auf ihren Erfolg überprüft und mit allen Beteiligten, festgelegt in einem Förderplan, besprochen werden. So kann eine prozessbegleitende Veränderung entwickelt, gesteuert und vorangebracht werden.

Der Unterricht für Erziehungshilfeschüler an der Gallus-Schule erfolgt in den Lernhilfeklassen. Bei Bedarf wird zusätzliche Einzelbeschulung oder Förderung in kleinen Gruppen praktiziert. Zusätzlich wird soziale Gruppenarbeit durch einen Sozialpädagogen angeboten.

Es besteht eine enge Kooperation zwischen Schule und dem Kinder- und Jugendwohnheim Leppermühle e.V., denn viele dieser Schüler/innen sind Kinder mit einem Tagesheimplatz der Kinder- und Jugendwohnheime Leppermühle in den Außenstellen Grünberg und Homberg. Diese Institution stellt für die pädagogische Zusatzbetreuung während des Unterrichts Sozialpädagogen zur Verfügung. Diese gewährleisten eine enge Zusammenarbeit mit den Erzieher und Berater der entsprechenden Tagesgruppen.

Voraussetzung hierfür ist die Schaffung eines angstfreien Lernklimas mit dem Konzept der „Schule als Lebensraum“.
Neben fachlichem Lernen werden dabei individuelle und soziale Erfahrungen, Praxisbezug und Verknüpfungen mit dem gesellschaftlichen Umfeld in den Mittelpunkt des Schulalltags gerückt.

Durch partnerschaftlichen Umgang und selbstverantwortliches Handeln können die Schüler demokratische Handlungsweisen erlernen und zudem aktiv ihren Alltag mitorganisieren und gestalten. Hierdurch werden ihnen positive Lebenserfahrungen ermöglicht.


- geistige Entwicklung
(Abschluss: Abgangszeugnis)

Die Klassen für Praktisch Bildbare werden in der Regel von Schülern besucht, deren Lernverhalten und Entwicklungsstand so erheblich unter der altersgemäßen Erwartungsnorm liegen, dass sie in anderen Schulen nicht entsprechend gefördert werden können.

Diese Schüler mit dem Förderschwerpunkt "geistige Entwicklung" sollen vielfach Gelegenheit erhalten die Lebenswirklichkeit zu erfahren, ihre Fähigkeiten zu erproben und mit Schwierigkeiten und Hindernissen zurechtzukommen.

Die Erziehung zur Handlungsfähigkeit und Selbsttätigkeit kann nach dem Prinzip der abnehmenden Hilfe (stetiger Abbau von Hilfen) erfolgen. Vielfältige Übungsmöglichkeiten sollten zur Festigung des Erlernten ermöglicht werden.

Die Unterrichtszeiten der Klassen für Praktisch Bildbare entsprechen denen einer Halbtagsschule, d. h. 30 Wochenstunden. Die Klasse als wesentliche Bezugsgruppe für die Schüler erfordert eine Beständigkeit von Bezugsgruppe und Bezugspersonen.

Als Kriterien für die Klassenzuordnung gelten:
Schulbesuchszeit (Alter), Leistungsniveau, Pflegebedarf, besondere pädagogische Gesichtspunkte.

Die Klassengröße richtet sich nach den „Richtlinien für die Festlegung der Anzahl und der Größe der Klassen in allen Schulformen“ in der jeweils geltenden Fassung, also 4-8 Schüler. Zurzeit (2013/2014 ) bestehen 8 Klassen (insg. 16 Klassen) für Praktisch Bildbare mit eigener Unterrichtsorganisation und innerer Struktur.

Gemeinsame Schulaktionen (Sportveranstaltungen, Ausflüge, Feste) können die Schüler der unterschiedlichen Schulformen gemeinschaftlich vorbereiten, mitgestalten und erleben.

Die Umsetzung eines Schülers aus den Klassen für Praktisch Bildbare in eine sog. "Mischklasse" (leistungsschwächere Schüler mit dem Förderschwerpunkt "Lernen" und leistungsstarke Schüler mit dem Förderschwerpunkt "geistige Entwicklung" werden gemeinsam in einer Mischklasse unterrichtet) ist in allen Fällen vorzunehmen, in denen Aussicht besteht, dass der Schüler am Unterricht des Rahmenlehrplanes der Schule für Lernhilfe erfolgreich teilnehmen kann. Unterrichtsversuche müssen einer entsprechenden Änderung des sonderpädagogischen Förderbedarfs durch das staatliche Schulamt vorausgehen.

In den Klassen für Praktisch Bildbare unterrichten und erziehen Förderschullehrer, Sozialpädagogen und Erzieher. Um den Auftrag der Schule für Praktisch Bildbare zu erfüllen, werden Förderschullehrer und Sozialpädagogen bei ihrem Erziehungsauftrag durch weitere Mitarbeiter (z. B. Integrationshelfer) unterstützt.

Systembedingt hat sich in den letzten Schuljahren eine Aufnahme- und Beobachtungsklasse für Schüler der Grundstufe bewährt, die aufgrund unvollständiger Diagnostik noch nicht endgültig einer Lerngruppe zugeordnet werden konnten.